Dashboards sind aus modernen Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Sie bieten Orientierung, unterstützen Entscheidungen und machen Zusammenhänge sichtbar. Ein gutes Dashboard-Design ist dabei kein Hexenwerk. Es folgt klaren Prinzipien – und genau die unterscheiden einen hübschen Gegenstand von einem echten Entscheidungsinstrument. In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf die Grundlagen eines guten Dashboard-Designs, die auf Erkenntnissen aus Wahrnehmungspsychologie und Informationsdesign beruhen.
Weniger ist mehr
Beim Informationsdesign geht es nicht um visuelle Effekte, sondern um die optimale Präsentation von Daten. Tabellen und Diagramme sollten so gestaltet sein, dass sie intuitiv verständlich sind. Viele typische Elemente, die man aus alltäglichen Präsentationen kennt – wie 3D-Effekte, Schatten, Farbverläufe oder dekorative Hintergründe – verzerren und erschweren die Informationsaufnahme von Visualisierungen.
Deshalb gibt es einige Grundregeln:
- Keine 3D-Diagramme
- Keine Hintergründe oder Farbverläufe
- Zeitverläufe horizontal und Strukturen vertikal darstellen
- Keine Kreisdiagramme mit vielen Segmenten
- Werte direkt beschriften statt Achsen überladen
Und täglich grüsst das Balkendiagramm
Bei der Analyse eines neuen Datensets ist die Vielzahl möglicher Diagrammtypen oft verführerisch. Doch in vielen Anwendungsfällen ist das Balkendiagramm die beste Wahl – und das aus gutem Grund. Balkendiagramme sind universell verständlich, präzise und hervorragend für Vergleiche, beispielsweise Soll/Ist, geeignet.
Nutzer gewöhnen sich an wiederkehrende Muster und können Daten dadurch schneller interpretieren. Ein gut aufgebautes Balkendiagramm ist fast jeder komplexen Alternative überlegen und erhöht die Interaktionsgeschwindigkeit.
Weniger Effekte, mehr Information
Dashboards dienen der Information, nicht der Unterhaltung. Der Mythos, Dashboards müssten «ansprechend» oder «visuell aufregend» sein, führt in die falsche Richtung. Was ansprechend wirkt, ist subjektiv, wohingegen sich der Informationsgehalt objektiv messen lässt.
Excellence in statistical graphics consists of complex ideas communicated with clarity, precision, and efficiency.
Bereits 1983 definierte Edward Tufte was «Graphical Excellence» bedeutet:
- Wesentliche Daten klar und effizient präsentieren.
- Komplexe Ideen präzise kommunizieren.
- Möglichst viele Informationen in kürzester Zeit vermitteln.
Konsistenz ist nutzerfreundlicher als Originalität. Daten sollten strukturiert und stets gleich aufgebaut sein, um die kognitive Belastung zu reduzieren. Interaktionen kommen nur dort zum Einsatz, wo sie einen echten Mehrwert bieten, denn jede Interaktion bedeutet einen Kontextwechsel.
Ein Dashboard mit Animationen, grellen Farben oder Effekten mag beim ersten Öffnen beeindrucken, doch bei regelmässiger Nutzung lenkt es ab. Gute Dashboards leben von Klarheit, Präzision und Konsistenz – nicht von Showeffekten.
Farben bewusst und sparsam einsetzen
Farben gehören zu den mächtigsten Gestaltungsmitteln. Die wichtigsten Grundregeln für ihre Verwendung lauten dabei:
- Neutrale Basis (hell oder dunkel)
- Schwarz für Text
- Maximal zwei Farben für Diagramme
- Klare Hervorhebung von Abweichungen
Insbesondere bei interaktiven Dashboards hilft dies, sich schneller zu orientieren, eine tiefere visuelle Überforderung zu vermeiden und die Lesbarkeit zu verbessern. Der sparsame Einsatz von Farben reduziert die kognitive Last und erhöht die Klarheit.
Auch Menschen mit Rot-Grün-Schwäche können gute Dashboards lesen, solange die Kontraste stark sind und die Darstellungen logisch aufgebaut sind. Die Diagrammfarben sollten immer eine Bedeutung haben, keine Dekoration sein, und idealerweise aus dem Corporate Design stammen. Das stärkt die Wiedererkennung und sorgt für professionelle Konsistenz.
Zeit, Struktur und Trends
Eine der wichtigsten strukturellen Entscheidungen betrifft die Wahl des Diagrammtyps:
- Säulen zeigen Zeitverläufe (horizontal)
- Balken zeigen Strukturen (vertikal)
- Linien zeigen Trends
Die Interaktivität moderner Dashboards – etwa Filter per Klick – spricht ebenfalls für Balken- und Säulendiagramme. Sie bieten eine grosse Klickfläche und funktionieren auf Desktop und Mobile gleichermassen gut.
Strukturierte Informationsaufnahme mit Tabellen
Tabellen sind ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Dashboards, da sie detaillierte Informationen präzise und strukturiert darstellen. Dennoch sollten sie nicht mit zu vielen Farben oder visuellen Effekten überladen werden, da dies die Lesbarkeit beeinträchtigt und wichtige Inhalte verdeckt. Anstatt ganze Tabellen bunt zu gestalten, beispielsweise mit farbigen Zellhintergründen, empfiehlt es sich, Farben gezielt und sparsam einzusetzen. Eine gute Orientierung entsteht vor allem durch klare Spalten- und Zeilenstrukturen, ausreichend Weissraum, gut lesbare Schriftgrössen, dezente Trennlinien sowie eine logische Sortierung und Gruppierung der Inhalte. So bleiben Tabellen übersichtlich, professionell und unterstützen die schnelle Informationsaufnahme.
Hohe Informationsdichte statt Klickstrecken
Ein oft unterschätztes Problem ist, dass der Mensch vergisst, was er gerade gesehen hat, sobald sich der Kontext verändert. Dieses Phänomen nennt sich Change Blindness (dt. Veränderungsblindheit).
Ein typisches Muster von Dashboards:
- Benutzer wählt einen Filter
- Dashboard aktualisiert sich komplett
- Inhalte verändern sich dynamisch
Das klingt zuerst sinnvoll, hat aber einen Haken. Menschen sind nämlich schlecht darin, Veränderungen zu erkennen, wenn sich eine Ansicht komplett neu rendert. Das kann zu Orientierungslosigkeit, verpassten Erkenntnissen und letztendlich zu Frustration führen.
Dashboards können aber auch klar strukturiert und bewusst reduziert sein, wenn folgende Punkte beachtet werden:
- Nicht die gesamte Ansicht verändern, sondern das Layout stabil halten.
- Wichtige Referenzwerte sollten immer sichtbar bleiben.
- Nicht alles, was technisch möglich ist, auch umsetzen.
Die richtige Visualisierung für die richtige Frage
Bevor man sich in komplexen Visualisierungen verliert, sollte man sich fragen, ob der gewählte Diagrammtyp wirklich der Erkenntnis dient oder nur dem optischen Effekt. Denn die Visualisierung folgt der Fragestellung – nicht umgekehrt.
Treemaps sind beispielsweise nützliche Werkzeuge, um Anteile und Hierarchien zu vergleichen. Sie ersetzen jedoch nicht die Grundprinzipien des Informationsdesigns, sondern ergänzen diese dort, wo klassische Balken- und Säulendiagramme an ihre Grenzen stossen.
Ein kurzer Blick auf Karten
Landkarten wirken auf den ersten Blick intuitiv, liefern jedoch selten echten geografischen Nutzen. Karten beantworten meist nur die Frage «Wo?». Für Vergleiche und Entscheidungen sind sie aber meist ungeeignet. In vielen Fällen sind einfache Balkendiagramme oder Treemaps die bessere Wahl.
Fazit
Ein gutes Dashboard-Design folgt klaren Prinzipien.
- Klarheit vor Ästhetik
- Konsistenz vor Kreativität
- Information vor Dekoration
Denn am Ende zählt nicht, wie auffällig ein Dashboard ist, sondern wie schnell es verstanden wird. Wer wenige Standardregeln konsequent anwendet, spart Zeit, steigert die Qualität und unterstützt bessere Entscheidungen. Oder anders gesagt: Dashboards sollen Daten nicht nur sichtbar, sondern nutzbar machen.



