Das Erstellen übersichtlicher und ansprechender Tabellen ist eine oft unterschätzte Fähigkeit in der Datenanalyse. Während Diagramme die Aufmerksamkeit auf Trends und Muster lenken, übernehmen Tabellen die eigentliche Feinarbeit. Sie zeigen präzise Zahlen, ermöglichen die Überprüfung von Berechnungen und machen komplexe Vergleiche auf einen Blick sichtbar.
In R steht dafür ein umfangreiches Ökosystem von Paketen zur Verfügung. Damit lassen sich unterschiedliche Arten von Tabellen erstellen – von einfachen, publikationsfertigen Varianten bis hin zu interaktiven Tabellen, die sich für Dashboards oder explorative Analysen eignen. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Tabellen so wichtig sind und wie Sie mit beliebten R-Paketen professionelle Ergebnisse erzielen können.
Mehrwert von Tabellen
Tabellen sind leistungsstark, weil sie komplexe Daten in einem strukturierten und leicht lesbaren Format darstellen. Im Gegensatz zu vielen Diagrammen zeigen sie exakte Zahlenwerte und ermöglichen den direkten Vergleich von Ergebnissen. Auch formatierte Inhalte wie Währungen, Prozentsätze oder Zeitangaben lassen sich präzise darstellen.
Ein weiterer Vorteil ist die Zugänglichkeit. Tabellen sind sowohl für Menschen, die Zahlen gerne im Detail prüfen, als auch für Maschinen, die Daten weiterverarbeiten sollen, leicht lesbar. Zudem lassen sich Tabellen gut mit begleitenden Erklärungen kombinieren. So ist es möglich, zentrale Ergebnisse hervorzuheben, ohne den Gesamtüberblick zu verlieren.
knitr-Funktionen kable und kableExtra
Für viele Nutzer:innen ist kable aus dem Paket knitr der erste Einstieg in die Tabellenerstellung. Mit nur einer Zeile Code entsteht eine einfache, übersichtliche Tabelle, die sich direkt in R Markdown oder Quarto einfügt. Diese Tabellen lassen sich in zahlreiche Ausgabeformate wie HTML, PDF oder Word rendern und sind dadurch sehr vielseitig.
Wenn Sie über die Grundfunktionen hinausgehen möchten, erweitert das Paket kableExtra Ihre Möglichkeiten. Hier können Sie Tabellen nach Belieben anpassen: Gruppierungen von Spalten oder Zeilen, Hervorhebungen durch Farben, das Hinzufügen von Fussnoten oder auch komplexe Layouts sind möglich. Besonders angenehm ist, dass die Formatierungen schrittweise aufgebaut werden können – ähnlich wie bei ggplot2. Dadurch bleibt der Code auch bei aufwendigen Tabellen übersichtlich.
gt
Das Paket gt ist besonders geeignet, wenn Sie Tabellen in Publikationsqualität erstellen möchten. Es teilt eine Tabelle in klar definierte Bereiche wie Kopfzeile, Spaltenüberschriften, Hauptteil und Fusszeile auf. Dadurch lässt sich jede Komponente individuell gestalten. Sie können Zahlen formatiert ausgeben (z.B. mit Währungs- oder Prozentzeichen), Bildunterschriften und Fussnoten hinzufügen oder mit Farben und Stilen für bessere Lesbarkeit sorgen.
Mit der Funktion gtsave lassen sich Tabellen ausserdem unkompliziert in verschiedene Formate exportieren, darunter HTML, PDF, PNG, LaTeX oder Word. Das macht gt flexibel einsetzbar – egal ob Sie eine wissenschaftliche Arbeit, einen Bericht oder eine Präsentation erstellen. Besonders hilfreich ist die ausführliche Dokumentation und ein frei verfügbares Online-Buch mit vielen Beispielen, die auch Einsteiger:innen schnell ans Ziel bringen.
DT
Mit dem Paket DT lassen sich Tabellen direkt im Browser interaktiv erkunden. Es baut auf der bekannten JavaScript-Bibliothek DataTables auf und ist ideal für R Markdown-Berichte, Quarto-Dokumente oder Shiny-Apps. Schon mit wenig Code können Sie Suchfelder, Sortierfunktionen, Paginierung oder Filter hinzufügen.
Die Funktion datatable erzeugt ein flexibles HTML-Widget, das sich leicht konfigurieren lässt – etwa mit Buttons zum Exportieren oder Optionen zur Anzeige bestimmter Spalten. Damit eignet sich DT hervorragend für Dashboards oder Berichte, bei denen Nutzer:innen selbst mit den Daten arbeiten möchten.
reactable
Während DT sich gut für schnelle und einfache Interaktivität eignet, bietet reactable noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Das Paket basiert auf dem JavaScript-Framework React Table und ermöglicht hochgradig anpassbare HTML-Widgets. Besonders nützlich sind Funktionen für Gruppierungen und Aggregationen, erweiterbare Zeilen, verschachtelte Tabellen oder die bedingte Formatierung von Zellen.
Auch optisch sind kaum Grenzen gesetzt. Zellen lassen sich mit HTML-Widgets oder Shiny-Elementen füllen, wodurch sich interaktive Anwendungen direkt in Tabellen integrieren lassen. reactable ist daher eine ausgezeichnete Wahl, wenn Sie komplexere Dashboards oder interaktive Anwendungen in R entwickeln möchten.
modelsummary
Wenn Sie mit statistischen Modellen arbeiten, wird das Paket modelsummary schnell unverzichtbar. Es automatisiert die Erstellung von Tabellen mit Regressionsergebnissen und macht den Vergleich mehrerer Modelle sehr einfach. Das Paket unterstützt zahlreiche Modelltypen und extrahiert die relevanten Kennzahlen automatisch.
Die Ausgabe kann in verschiedene Formate wie HTML, LaTeX, Word, PowerPoint oder Excel erfolgen. Darüber hinaus bietet modelsummary viele Optionen für die Darstellung – von unterschiedlichen Standardfehlern über flexible Beschriftungen bis hin zur Integration mit anderen Tabellenpaketen wie gt oder kableExtra. Dadurch behalten Sie die Kontrolle über die Gestaltung, während die oft mühsame Zusammenstellung von Ergebnistabellen automatisiert wird.
Praktische Tipps
Wählen Sie das Paket, das am besten zu Ihrer Zielgruppe passt. Für statische, publikationsfertige Tabellen bieten sich kable/kableExtra oder gt an. Wenn Interaktivität gefragt ist, etwa in Shiny-Apps oder webbasierten Berichten, sind DT oder reactable die richtige Wahl. Für die Zusammenfassung und den Vergleich von Modellergebnissen ist modelsummary besonders hilfreich.
Achten Sie ausserdem auf Details wie klare Spaltenüberschriften und eine einheitliche Formatierung. So stellen Sie sicher, dass Ihre Tabellen nicht nur optisch ansprechend, sondern auch leicht verständlich sind.
Fazit
Tabellen sind mehr als nur eine Ergänzung zu Diagrammen – sie liefern exakte Werte, erleichtern Vergleiche und ermöglichen reproduzierbare Analysen. Das R-Ökosystem bietet dafür eine breite Palette an Werkzeugen, die von einfachen, schnell erstellten Tabellen bis hin zu komplexen, interaktiven Anwendungen und Modellzusammenfassungen reichen.
Wählen Sie das Paket, das am besten zu Ihrem Projekt passt, und überlassen Sie R die mühsame Formatierung. So können Sie sich ganz auf das konzentrieren, was zählt: die Geschichte, die Ihre Daten erzählen.




